If Books Could Speak: Geständnisse von Bruce Campbell

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Er ist der ungekrönte König der B- und C-Movies: Bruce Campbell! Geboren am 22. Juni 1958 in Royal Oak, Michigan, USA, spielte er bereits in seiner Jugendzeit in Super-8-Filmen seines Kumpels Sam Raimi mit. Diese Truppe, zu der auch der spätere Produzent Robert Tapert und Schauspielerin Ellen Sandweiss gehörten, drehte im Laufe der 70er Jahre einige dieser Super-8-Filme, die sogar im hauseigenen Kino der Schule gezeigt wurden. Ein weiteres Projekt war ein Kurzfilm namens WITHIN THE WOODS. Dieser Kurzfilm sollte als eine Art Bewerbungsfilm bei Geldgebern dienen, da Raimi aus der Geschichte einen kompletten Spielfilm machen wollte. 1979 gründeten Raimi, Campbell und Tapert die Produktionsfirma „Renaissance Pictures“.

Raimi brachte das Geld für seinen ersten Spielfilm mit WITHIN THE WOODS tatsächlich zusammen. Die Dreharbeiten zu BOOK OF THE DEAD begannen ebenfalls 1979 und zogen sich über mehrere Monate hin, bis im Januar 1980 die letzte Klappe fiel. Da es im Grunde eine Amateurproduktion war, verliefen die Dreharbeiten alles andere als glatt. Die Schauspieler wurden verletzt, da es natürlich keine Stuntleute oder großartige Vorsichtsmaßnahmen gab. Die Crew musste nächtelang in der Hütte im Wald ausharren, mitten im tiefsten Winter, ohne Heizung. Doch all die Strapazen haben sich gelohnt. Der Titel wurde von BOOK OF THE DEAD in THE EVIL DEAD geändert und 1982 lief der Film auf dem Filmfestival in Cannes, wo er unter anderem von Stephen King gesehen wurde. King war begeistert vom Film und schrieb dafür eine seiner seltenen Reviews. Das erweckte das Interesse anderer Filmverleiher und der Rest ist quasi Geschichte.

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THE EVIL DEAD gilt heute als Klassiker des Splatter-Horrorfilms und zog zwei Fortsetzungen (EVIL DEAD II 1987 und ARMY OF DARKNESS 1992), sowie eine TV-Serie (ASH VS EVIL DEAD 2015) nach sich. Bruce Campbell wurde in der Hauptrolle als Ash schlagartig unter Genrefans bekannt und begann so seine Karriere als Schauspieler. Der große Durchbruch in Hollywood blieb ihm verwehrt, obwohl er kleinere Rollen in einigen großen Hollywood-Produktionen spielte (CONGO, SPIDER-MAN-Trilogie von Raimi). Aber er fühlt sich sicherlich nicht ganz unwohl in der Nische der B-Movies. Zumal er recht schlagfertig und ein großer Entertainer ist, was er bei seinen Auftritten auf diversen Horror- und Sci-Fi-Conventions immer wieder unter Beweis stellt.

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Campbell schnupperte auch schon Luft im Regie-Fach. Er inszenierte Folgen der von Raimi produzierten TV-Serien HERCULES und XENA, in denen er als Dieb Autolycus selbst mitspielt. Zwei Spielfilme inszenierte Campbell ebenfalls, THE MAN WITH THE SCREAMING BRAIN (bei dem er auch Hauptrolle und Drehbuch übernahm), sowie MY NAME IS BRUCE, in dem er sich quasi selbst spielt.

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2002 veröffentlichte Bruce dann sein erstes Buch, die Autobiographie „If Chins Could Kill: Confessions of a B-Movie Actor“. Der Titel ist eine Anspielung auf sein markantes Kinn. Darin beschreibt er recht unterhaltsam seine Kindheit, die ersten Versuche als Schauspieler, den Durchbruch mit THE EVIL DEAD und seine dann weiter verlaufende Karriere im Filmgeschäft. Dabei nimmt er weder sich, noch das Filmgeschäft, allzu ernst. Das Buch wurde ein Bestseller und in späteren Auflagen fügte Bruce Kapitel hinzu, in denen er über die Reaktionen von Fans bei den Buchsignierungen schreibt.

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Bereits drei Jahre später, im Mai 2005, veröffentlichte Bruce sein Buch „Make Love: The Bruce Campbell Way“. Das Buch ist einerseits ein fiktionaler Roman, mit Bruce Campbell als Hauptfigur, der aus der Ich-Perspektive erzählt, sowie andererseits eine Parodie auf typische Schauspieler-Memoiren. Im Buch tauchen real existierende Personen aus dem Filmgeschäft auf, wie Richard Gere oder Regisseur Mike Nichols, aber die Ereignisse sind natürlich erfunden. Campbell selbst schreibt dazu: „Is it an „autobiographical novel“? Yes. I’m the lead character in the story, and I’m a real person, and everything in the book actually happened, except for the stuff that didn’t.

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Im Buch beschreibt Campbell sein Leben als Schauspieler und wie anfangs sein geplantes Buch „Walk this way“, ein Buch über das Wandern, vom Verlag abgelehnt wird. Stattdessen soll er ein Buch über Liebesbeziehungen schreiben, was ihm völlig fremd ist. Da bekommt er die Chance, in einem großen Hollywood-Film mitzuspielen. Mike Nichols, Regisseur von Filmen wie WORKING GIRL, PRIMARY COLORS oder THE GRADUATE (Die Reifeprüfung, 1967), befindet sich in der Vorproduktion des Filmes LET’S MAKE LOVE. Der Film soll eine romantische Komödie sein, mit Richard Gere und Renée Zellweger in den Hauptrollen. Bruce Campbell bekommt nach einem Vorsprechen die Rolle des Portiers, der einige Szenen mit Richard Gere hat. Sofort stürzt sich Bruce in die Hintergrundrecherche, arbeitet als Portier im angesehenen Waldorf-Astoria-Hotel und erfindet einen kompletten Lebenslauf für seine Figur. Er begleitet einen Typ, der eigentlich schüchternen Männern helfen soll, eine Frau zu erobern, aber sich am Ende selbst an diese ranmacht. Er gibt sich als reicher Mann aus den Südstaaten aus, um dem „Gentlemen’s Club“ beitreten zu können, der sich am Ende im Grunde als eine Art Strip-Club herausstellt.

Recht schnell findet Bruce heraus, dass seine Rolle auf der Kippe steht. Das Studio wollte ihn eigentlich gar nicht, andere Schauspieler wie Johnny Depp oder John Malkovich hätten ebenfalls Interesse an der Rolle, aber Mike Nichols hält an Bruce fest. Dieser ist nun fest davon überzeugt, dass er mehr in die Rolle einbringen kann. Und so probt er mit Richard Gere anfangs harmlose Szenen, in denen beispielsweise der Portier die Figur von RIchard Gere nicht ins Hotel lassen will. Bruce findet, diese Szenen könnten mehr „Mush Mush“ vertragen („Mush Mush“ ist ein Begriff, den Sam Raimi geprägt hat, der damit Szenen beschrieb, die aufgepeppt werden sollten). Und so verwandeln sich die harmlosen Szenen langsam aber sicher in ausgewachsene Kampfszenen, bei denen Gere und Campbell nicht nur Geres Wohnung verwüsten, sondern sich auch selbst verletzen. Mike Nichols ist allerdings begeistert von der neuen Richtung und so verwandelt sich LET’S MAKE LOVE von einer romantischen Komödie mit Starbesetzung langsam in ein B-Movie a la WALKING TALL. Bruce Campbell, B-Movie-Star, hat eine Hollywood-Produktion quasi „B-Movie-anisiert“.

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Das Buch ist voll mit absurden Szenen und dabei so witzig und kurzweilig geschrieben, dass es eine wahre Freude ist, es zu lesen. Für den wahren Filmkenner macht es besonders viel Spaß, da die Charaktere im Buch real existierende Personen sind und es viele Querverweise auf deren Werke gibt. Dabei bekommen im Buch alle ihr Fett weg: Hollywood, das Studio-System, Schauspieler, Agenten, das Filmgeschäft allgemein und Bruce Campbell selbst.

Das Einzige, was noch besser ist, als „Make Love“ zu lesen, ist es vom Meister persönlich vorgelesen zu bekommen. Bruce Campbell selbst nahm das Hörbuch auf, welches ebenfalls 2005 erschien. Wobei der Begriff „Hörbuch“ nicht ganz zutreffend ist, da es sowohl andere Sprecher, die die anderen Rollen ausfüllen, sowie Soundeffekte gibt. Es ist also eher ein Hörspiel. Und ein sehr unterhaltsames noch dazu.

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Für viele ist und bleibt Bruce Campbell der „EVIL-DEAD-Typ“, trotz vieler anderer Rollen in Serien wie THE ADVENTURES OF BRISCO COUNTY JR. oder BURN NOTICE. EVIL DEAD ist aber auch ein großer Teil seines Lebens. Er spielte nicht nur die Hauptrollen in den Filmen, sondern produzierte diese auch, zusammen mit Tapert und Raimi. Darüber hinaus übernahm er die Rolle des Ash ebenfalls in der Serie ASH VS EVIL DEAD und produzierte das Remake von EVIL DEAD, welches 2013 in die Kinos kam. Er selbst hat seinen Frieden damit gemacht und nutzt das bei seinen Auftritten, bei denen er auch schon mal die Fans beschimpft und die hässlichsten Hemden und Anzüge trägt, die er finden kann.

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Im August diesen Jahres erscheint sein drittes Buch, die Fortsetzung seiner Autobiografie, mit dem Titel „Hail to the Chin: Further Confessions of a B Movie Actor“. Wenn es nur halb so gut wie seine bisherigen Bücher wird, kommt man als Fan nicht drum herum.

Quelle: 1428elm.com

Seine Bücher, sowie das Hörbuch zu „Make Love“, sind bisher nur auf englisch erschienen. Aber das sollte den interessierten Leser nicht abhalten einzutauchen in die Welt der B-Movies und in das Leben eines Mannes, der so uneitel und humorvoll über das Filmgeschäft schreibt, wie kaum ein Zweiter.

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