Atemlos durch die Welt – BREATHE

Quelle: teaser-trailer.com

Um einen offensichtlichen Gag gleich mal vorweg zu nehmen: Nein, BREATHE ist nicht die Fortsetzung von DON’T BREATHE. Es handelt sich um die wahre Geschichte des Briten Robin Cavendish. Geboren 1930 in Middleton wurde bei ihm im Alter von 28 Jahren Polio diagnostiziert. Seitdem vom Hals abwärts gelähmt, benötigte er außerdem ein Beatmungsgerät, da er auch nicht mehr selbständig atmen konnte. Die Ärzte gaben ihm nur noch wenige Monate, doch es sollte anders kommen.

Der Film beginnt im Jahre 1958, als Cavendish (Andrew Garfield) mit seinen Freunden Cricket spielt. Unter den Zuschauern befindet sich auch die junge Diane (Clare Foy), für die Robin sofort Feuer und Flamme ist. Beide werden ein Paar und Robin nimmt sie mit nach Afrika, wo er mit seinen Freunden den Urlaub verbringt. Bei einem Tennismatch gerät Robin stark außer Atem, aber er ignoriert zunächst die Symptome. Diane eröffnet ihm, dass sie schwanger ist und beide freuen sich auf die gemeinsame Zukunft als Familie.

Quelle: georgetowner.com

Doch eines nachts bricht Robin zusammen und wird ins Krankenhaus gebracht. Dort stellt man fest, dass er sich mit Polio angesteckt hat. Die Krankheit lähmt ihn vom Hals abwärts und es wird ein Luftröhrenschnitt durchgeführt, durch den er mit einem Beatmungsschlauch von einer Maschine beatmet wird. Zunächst kann er deshalb auch nicht mehr sprechen. Für seine Lähmung gibt es keine Heilung und die Ärzte geben ihm nur noch wenige Monate zu leben. In seiner Verzweiflung bittet er Diane, ihn sterben zu lassen. Doch Diane will das nicht hinnehmen, schließlich erwartet sie sein Kind. Sie ist Tag und Nacht an seiner Seite und schließlich erwacht in ihm dadurch wieder der Wille, weiterzuleben. Doch er will aus dem Krankenhaus raus, was der Oberarzt natürlich strikt verbietet.

Quelle: dailymail.co.uk

Achtung, Spoiler!

Robin lässt sich nicht davon abbringen, das Krankenhaus zu verlassen. Und tatsächlich schaffen sie es eines Tages und er zieht mit Diane in ein eigenes Haus ein, in dem dann auch sein Sohn mit ihnen aufwächst. Diane kümmert sich aufopferungsvoll um Robin. Und dieser hat eine weitere Idee. Er möchte nicht nur im Bett liegen, er möchte wieder raus, was erleben. Also baut ihm einer seiner Freunde eine Art Rollstuhl, in den die Beatmungsmaschine integriert ist. Damit ist Robin nicht nur wieder mobil für seine Umgebung, er schafft es sogar, mit seiner Familie und Freunden nach Spanien zu fliegen, um dort ein paar schöne Tage zu verbringen.

Es sind längst viele Jahre vergangen, wir schreiben bereits das Jahr 1973, und Robin wird zum Fürsprecher aller gelähmten Patienten, die in Krankenhäusern rund um die Welt vor sich hin vegetieren. Mithilfe seiner Freunde gelingt es ihm, seinen speziell gebauten Rollstuhl in Serie zu produzieren und so vielen Gelähmten mehr ein neues Leben zu ermöglichen.

Die ständige Beatmung durch die Maschine über all die Jahre hat allerdings auch negative Folgen, die sich langsam bei Robin bemerkbar machen. Immer wieder blutet er stark aus seinem Luftröhrenschnitt. Sein Sohn ist mittlerweile erwachsen und so fällt Robin für sich die schwere Entscheidung, freiwillig aus dem Leben zu scheiden, bevor er qualvoll an den Blutungen zugrunde geht.

Spoiler Ende!

Der echte Robin Cavendish gilt als medizinische Sensation. Er ist einer der am längsten überlebende Polio-Patienten in Großbritannien und setzte sich als Anwalt und Fürsprecher für Behinderte ein. Durch das jahrelang Studium seiner eigenen Krankheit war es ihm sogar möglich, Krankenschwestern entsprechend auszubilden. Sein Leben ist ein Beispiel für einen ungebrochenen Lebenswillen, selbst im Zeichen der Hoffnungslosigkeit, der von der starken Liebe seiner Frau Diane getragen wurde. Er überlebte sogar einige der Ärzte, die ihm nur noch wenige Monate zu leben gegeben hatten. Robin Cavendish starb 1994 im Alter von 64 Jahren.

Quelle: molodost.in.ua

Leider vermag es der Film nicht, dieses ausßergewöhnliche Leben entsprechend zu würdigen. Andrew Garfield gibt eine solide Vorstellung als Robin Cavendish und auch der Rest der Besetzung spielt sehr gut. Doch leider verfügt das schablonenhafte Drehbuch kaum über einen dramaturgischen Faden. Der Film springt mehrere Jahrzehnte durch die Zeit. Dabei tauchen immer wieder Personen auf oder sie verschwinden ganz einfach wieder, sodass ihr Einfluss auf die Geschichte marginal ist. Brav arbeitet der Film Station für Station ab, ohne einen wirklichen Spannungsbogen zu erzeugen. Dazu ertrinkt die Geschichte in der kitschigen Inszenierung, mit schwülstiger Streichermusik und imposanten Postkarten-Aufnahmen Afrikas, Spaniens und Großbritanniens. Auch der letzte gemeinsame Abend in Afrika zwischen Robin und Diane wird dann mit Cole Porters „True Love“ untermalt, um auch wirklich dem letzten Zuschauer zu zeigen, wie stark diese Liebe doch ist. Am Ende, wenn wir nochmal die schönsten Aufnahmen des Liebespaars aus dem Film sehen, erklingt der Song wieder und verpasst dem Film damit den letzten Kitsch-Sargnagel, bevor wir noch einige Aufnahmen des echten Robin Cavendish bewundern dürfen, die allerdings wie drangepappt wirken.

BREATHE ist das Regie-Debüt von Schauspieler Andy Serkis, der besonders in seinen Motion-Capture-Rollen als Gollum in den HERR DER RINGE Filmen oder als Caesar auf dem neuen Affenplaneten zu überzeugen weiß. Die Geschichte von Robin Cavendish liege ihm sehr am Herzen, betonte er in einem Interview und der Film sei ein Herzensprojekt von ihm gewesen. Schade, dass dann daraus so eine zähe Rosamunde-Pilcher-Version wurde, die einen wichtigen Aspekt von Cavendishs Leben, seinen Kampf für die Rechte der Behinderten, nur am Rand streift. Kurios ist ebenfalls, dass Robins Sohn, Jonathan Cavendish, Filmproduzent geworden ist und mit diesem Film seinem Vater ein Denkmal setzen wollte. Das wäre mit mehr Enthusiasmus und weniger Kitsch sicherlich besser geworden.

Andy Serkis/Quelle: rollingstone.com

Für die Filmmusik holte man Nitin Sawhney, einen britischen Musiker und Produzenten indischer Herkunft. Auch wenn man ihm zugute halten muss, dass er nicht den ganzen Film von vorne bis hinten ohne Unterbrechung untermalen musste, so verstärken seine traurig-pathetischen Streicherklänge den Kitschfaktor des Filmes leider, wenn sie denn doch auftauchen. Ohne den dazugehörigen Film hat man sicherlich ein entspanntes Hörerlebnis, aber in Verbindung mit den Bildern ist die Musik oft leider zu viel des Guten. Ein Soundtrack-Album wurde von Varesé Sarabande veröffentlicht.

Quelle: amazon.de

Der Film trägt in Deutschland den Titel SOLANGE ICH ATME und wird am 19. April in den Kinos anlaufen. Er hat durchaus seine Momente, auch der trockene, britische Humor lockert das Ganze immer wieder auf. Aber so entstand eben auch eine Tragikkomödie fast ohne Tragik, die sich vom Kitschfaktor her nicht hinter den berüchtigten ARD-Degeto-Produktionen verstecken muss. Die flache Dramaturgie lässt den Zuschauer nicht gerade den Atem anhalten und auch den doch gut gespielten Nebenfiguren geht recht schnell die Luft aus. So bleibt ein Film, der leider ein wirklich eindrucksvolles Leben auf einen ARD-Sonntagnachmittag-Film reduziert, den man nebenher beim Kaffeetrinken schauen kann.

Rating: 5.0/5. Von 2 Abstimmungen.
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