From Dusk Till Dawn: The Series

Quelle: filmaffinity.com

Eine Serie aus dem Rodriguez/Tarantino-Film „From Dusk Till Dawn“ machen? Könnte was werden oder auch nicht. Die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen.

1996, als „From Dusk Till Dawn“ in die Kinos kam, war es noch ein Projekt aufstrebender Filmemacher, vor und hinter der Kamera. Quentin Tarantino hatte gerade mit seinem zweiten Film, „Pulp Fiction“, ein neues Genre erfunden, den „Tarantino-Film“ und Robert Rodriguez schickte 1995 Antonio Banderas als „Desperado“ über die blutige Leinwand. Kennengelernt haben sich die beiden 1993 auf einem Filmfestival, als Tarantino sein Regie-Debüt „Reservoir Dogs“ vorstellte und Rodriguez seinen für nur 7.000 Dollar gedrehten „El Mariachi“. Von Anfang an machte Rodriguez so viel wie möglich selbst bei seinen Filmen. Dies beschreibt er auch in seinem Buch „Rebel without a Crew“ und führt die Kostenexplosion bei Hollywood-Filmen auch darauf zurück, dass einfach zu viele Leute an einem Film arbeiten, was in seinen Augen nicht nötig wäre.

In den folgenden Jahren baute Rodriguez sein eigenes „Film-Imperium“ auf. In einem großen Anwesen in Texas befinden sich die „Troublemaker Studios“, in denen Rodriguez unabhängig arbeiten kann. Dort gibt es ein Tonstudio, in dem Rodriguez die Musik zu seinen Filmen komponiert und einspielt, es gibt Schnittplätze, Kameras und sogar ein Green-Screen-Studio. Bei seinen Filmen ist Rodriguez so oftmals Regisseur, Autor, Produzent, Komponist, Cutter, Kameramann und Special-Effects-Supervisor in einer Person.

Man kann Rodriguez also nicht vorwerfen, dass er nicht umtriebig wäre. Sein letzer Coup ist die Gründung eines eigenen Fernsehsenders, dem „El Rey Network“. Und genau für diesen Sender entwickelte Rodriguez „From Dusk Till Dawn: The Series“. Beim Film von 1996 führte Rodriguez Regie, während Tarantino das Drehbuch schrieb und selbst eine der Hauptrollen spielte, den abgedrehten Richard Gecko. Dessen Bruder Seth wurde von George Clooney verkörpert, der damit eine seiner ersten Hauptrollen in einem Film spielte. Die Mischung aus Road Movie und Horrorfilm funktionierte recht gut. Fans konnten sich ausserdem an so mancher Hommage und Gastauftritten erfreuen, wie Make-up-Legende Tom Savini als „Sex Machine“. Zudem war der Film mit Harvey Keitel, Juliette Lewis und Salma Hayek auch in weiteren Rollen recht prominent besetzt.

Doch wie sieht nun das Ganze als Serie aus? Es ist natürlich schwierig, die Rollen mit neuen Schauspielern zu besetzen. Besonders die Rollen der Gecko-Brüder sind von Clooney und Tarantino doch stark geprägt. Rodriguez nahm zwei unbekannte Schauspieler, wohl auch, um den Rollen etwas Frische zu verleihen. Besonders Zane Holtz als Richard Gecko macht dabei eine gute Figur, er spielt das Ganze mit leicht psychopathischen Zügen recht gut, während D.J. Cotrona als Seth Gecko insgesamt recht blass bleibt, besonders im Vergleich mit George Clooney. Die Rolle von Harvey Keitel, dem vom Glauben abgefallenen Jacob Fuller, spielt Robert Patrick, bekannt geworden als T-1000 in „Terminator 2“ oder auch als Special Agent John Doggett in „The X-Files“. In Nebenrollen agieren Don Johnson und Jake Busey.

Die erste Staffel erzählt im Grunde den Film noch einmal nach. Das klingt erst mal unsinnig, die Macher veränderten aber natürlich so einiges. Relativ nahe am Film ist die Serie bis zum Massaker im „Titty Twister“. Ab da verlässt sie die Filmhandlung doch recht stark. Während es einerseits direkte Übernahmen aus dem Film gibt, die bis hin zu gleichen Szenen mit gleichen Dialogen reichen, gibt es andererseits doch auch neue Details und Figuren, die im Film nicht vorkamen. So erzählt die Serie stärker die Hintergründe für Richies Blackouts und Visionen, aber auch die Blutsauger bekommen einen größere Hintergrundgeschichte, die bis hin zu alten Maya-Mythen reicht. Die mexikanische Sängerin und Schauspielerin Eiza González übernimmt die Rolle von Salma Hayek, die der verführerischen Santanico Pandemonium, die mit ihrem Schlangentanz nicht nur Richard Gecko betört. Anders als im Film spielt sie in der Serie eine tragende Rolle und kommt auch beim Massaker im „Titty Twister“ nicht um. Insgesamt ist die Geschichte in der Serie so angelegt, dass die Gecko-Brüder nicht zufällig im „Titty Twister“ landen und auch ihr Kontaktmann in Mexiko, Carlos, der im Film erst am Ende auftaucht, agiert hier als Strippenzieher im Hintergrund.

Robert Rodriguez fungiert bei der Serie als Produzent und hat auch einige Folgen geschrieben und inszeniert. Während seine ersten Werke, „El Mariachi“, „Desperado“ und „From Dusk Till Dawn“, eine neue und unverkennbare Handschrift haben, ging es danach mit seiner Filmkarriere doch relativ schnell bergab. Mit den „Spy Kids“-Filmen hatte er noch großen kommerziellen Erfolg, während seine anderen Projekte fast durch die Bank weg floppten und auch qualitativ schlechter wurden. Ausnahmen sind für mich da nur „Planet Terror“ und die beiden „Sin City“-Filme, die allerdings auch „nur“ ok sind, aber keine richtig guten Filme. Ähnlich sieht es mit den beiden „Machete“-Filmen aus, bei denen mich unter anderem auch das viele CGI stört. Wenn man schon alte B- und C-Movies wieder aufleben lassen will, sollte man sie nicht so mit CGI zukleistern.

Im Prinzip kann Rodriguez auch mit der „From Dusk Till Dawn“-Serie qualitativ keinen Schritt nach vorne machen. Sie ist stylisch inszeniert und wartet auch mit guten Szenen auf, aber insgesamt fehlt ihr einfach die Coolness des Filmes und die Handlung zieht sich auf zehn Folgen gestreckt doch zwischendrin immer wieder stark. Der Splatterfaktor ist zwar auch in der Serie gegeben, aber wirkt im Vergleich zum Film doch eher zahm, was auch hier unter anderem an zu viel CGI liegt, während im Film die Effekte noch (fast) alle handgemacht waren. Die legendäre KNB FX Group, die schon die Effekte im Film gemacht hat, kommt auch hier wieder zum Einsatz, aber die gute Maskenarbeit wird immer wieder durch (sichtbares) CGI, wie digitalem Blut, zurück gedrängt.

Die Mythologie des Ganzen mit ihrer großen Hintergrundgeschichte finde ich gar nicht mal so verkehrt, aber die Serie schafft es nicht, das Ganze stringent und spannend zu erzählen. So gibt es immer wieder Folgen, bei denen man meint, jetzt nimmt die Serie endlich Fahrt auf, nur, um sich dann selbst wieder auszubremsen. Dazu sind manche Handlungen der Figuren einfach unsinnig und immer wieder springt die Serie zu stark zwischen mehreren Orten hin und her. Ein weiteres Manko ist die deutsche Synchro. Hier gibt es leider teilweise richtige Ausfälle. Die deutsche Stimme von Robert Patrick beispielsweise passt überhaupt nicht zu ihm und schafft es auch kaum, irgendwelche Emotionen zu übertragen. Fast kommt es einem so vor, als wären hier hauptsächlich Amateur-Sprecher am Werk gewesen, die eben günstiger waren als bekanntere Stimmen. So bekommt man immer wieder den Eindruck, eine billige Direct-to-DVD-Asylum-Produktion zu sehen, was auf die Serie leider auch immer wieder inhaltlich zutrifft.

Eine zweite Staffel gibt es bereits, die sich nun abseits des Filmes beweisen muss. Vielleicht wird diese insgesamt besser, aber so bleibt leider nur zu sagen, dass die Serie fast alles vermissen lässt, was den Film ausgemacht hat: Den Wortwitz, charismatische Darsteller, die Musik und einfach die wilde Fahrt, die der Film ist.
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