Der Blick in den Spiegel – MONEY MONSTER

Quelle: joblo.com

Die undurchsichtige Finanzwelt ist ein gerne aufgegriffenes Thema, zuletzt in Filmen wie „The Wolf of Wall-Street“ und „The Big Short“. Banker, Broker, Makler, Manager, sie alle stehen oftmals stellvertretend für die Gier und den Machthunger der Menschen. Der Aktienhandel ist ein Glücksspiel und wie jedes Glücksspiel kann auch er manipuliert werden. Als Anleger macht man dann eben Profit oder Verlust. Die Leute, die in den 90er Jahren hierzulande zuerst in die Telekom-Aktie investiert haben, können ein Lied davon singen. Ihnen wurde der Kauf und die Vorteile der Telekom-Aktie in den schönsten Farben ausgemalt. Umso böser war das Erwachen danach, als die Aktie abstürzte und tausende von Anlegern viel Geld verloren.

Ein ähnlicher Traumverkäufer ist der von George Clooney gespielte Lee Gates. Als Börsenguru moderiert er die Finanz-Sendung „Money Monster“ und gibt darin den Zuschauern Börsentipps und trifft Vorhersagen über Erfolg oder Misserfolg einer Aktie. Dabei steht die Show im Vordergrund, wenn Gates als Boxer zu Hip-Hop-Musik durch die Kulissen tänzelt oder auf Knopfdruck lustige Einspieler zu sehen sind. In der aktuellen Ausgabe der Show geht es um die Aktie der fiktiven Firma IBIS Global Capital’s, die vor knapp einem Tag abgestürzt ist und damit bei den Aktionären einen Schaden von 800 Millionen Dollar verursacht hat. Als Grund wird ein sogenannter Glitch angegeben, ein Fehler im Algorhythmus der Geldverwaltung von IBIS. Dazu soll Walt Camby, CEO von IBIS, in der Sendung Stellung nehmen, aber kurz vor der Show sagt er sein Kommen ab.

Nachdem die Sendung bereits in vollem Gange ist, betritt ein Paketbote das Studio und zieht vor laufender Kamera eine Waffe. Damit bedroht er Gates und verlangt, live auf Sendung zu bleiben, um eine Erklärung dafür zu bekommen, was mit dem Aktienkurs von IBIS passiert ist. Wie sich herausstellt, ist der Paketbote Kyle Budwell (Jack O‘ Connell), ebenfalls Anleger bei IBIS, der das komplette Erbe seiner Mutter, 60.000 Dollar, in die IBIS-Aktie gesteckt und verloren hat. Er fühlt sich betrogen, auch von Gates, der die Aktie in einer seiner Sendungen als sichere Anlage angepriesen hat. Zusätzlich zwingt Kyle ihn, eine Sprengstoffweste anzuziehen. Den Auslöser hält Kyle in der Hand.

Hinter den Kulissen versucht Regisseurin Patty Fenn, gespielt von Julia Roberts, die Situation unter Kontrolle zu bringen. Sie schickt alle Leute, die nicht unmittelbar wichtig für die Sendung sind, aus dem Gebäude und hält über den Knopf in Gates‘ Ohr Kontakt zu ihm und dem Geiselnehmer. Auch die Polizei ist mittlerweile vor dem Gebäude in Stellung gegangen. Zur gleichen Zeit versucht die Pressesprecherin von IBIS, Diane Lester, einen Kontakt zu Walt Camby herzustellen, der aber scheinbar vom Erdboden verschwunden ist. Bei ihren Nachforschungen stößt sie auf Ungereimtheiten. Camby hat sie und alle anderen scheinbar angelogen und der Glitch im Algorhythmus wurde offenbar von Menschenhand gesteuert. Auch Patty bekommt diese Informationen und gibt sie an Lee weiter. Langsam aber sicher sieht auch er, dass hier etwas Größeres im Gange ist und er versucht, sich mit Kyle zu verbünden, um die Wahrheit aufzudecken.

Der Film funktioniert als Kammerspiel sehr gut. Die Spannung zwischen dem Geiselnehmer und den Geiseln ist spürbar. Nach und nach deckt der Film die Machenschaften und die Lügen auf, mit denen IBIS die Menschen getäuscht hat. Die Firma steht hier natürlich stellvertretend für all das, was im Finanzbereich falsch läuft. Es geht nur ums Geld, es muss immer noch mehr werden, als man sowieso schon hat, egal, was es kostet. Das ist als Prämisse nun zwar nicht gerade neu oder originell, aber funktioniert für den Film recht gut. Clooney und Roberts spielen ihre Rollen sehr eindringlich, auch wenn die Wandlung Clooneys vom Saulus zum Paulus doch recht schnell passiert, was nicht unbedingt zu seinem Charakter passt, den wir zu Beginn des Filmes kennengelernt haben. Im Grunde durchlebt Clooneys Figur drei Phasen. Zuerst ist er ein aalglatter TV-Moderator, der ein Showman sein will und sich für den größten Börsenguru überhaupt hält. Als die Geiselnahme passiert, mutiert er zu einem weinerlichen Angsthasen, der nichts mehr von der Selbstsicherheit des Börsengurus ausstrahlt. Im Verlauf der Geiselnahme verbündet er sich mehr und mehr mit seinem Geiselnehmer und will gemeinsam mit ihm das Komplott aufdecken. Das ist vielleicht auch ein Schwachpunkt des Filmes, alle Figuren sind einfach ZU nett, selbst der Geiselnehmer, als dass man als Zuschauer wirklich zu der Überzeugung kommt, dass es ein böses Ende nehmen könnte.

Die Musik stammt von Dominic Lewis, einem eher unbekannten Komponisten. Produziert wurde sie von Henry Jackman („Captain America: Civil War“). Im Film gibt es nicht allzu viel Musik, aber der dosierte Einsatz ist wirkungsvoll. Mehr als gewöhnliches Suspense-Brummen hat die Musik oftmals nicht zu bieten, aber im Zusammenspiel mit dem Film erzielt sie die gewünschte Wirkung. Ein Soundtrack-Album ist bei Sony erschienen.

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Positiv muss man noch anmerken, dass es sich der Film dann doch nicht so einfach macht und das Finanzwesen an sich als böse und von gierigen Managern gesteuerten Geldapparat darstellt. Die Gier der Banker wäre nämlich nichts ohne die Gier der Anleger. Der Film hält uns den Spiegel vor. Im Grunde sind wir alle „Geldmonster“, die sich über die Geschäfte der Banker nicht beschweren, solange der Profit für uns da ist. Jeder Anleger legt sein Geld nur an, weil er mehr Geld damit machen will. So funktioniert der Finanzmarkt. Manipulationen und Betrug durch die Verantwortlichen schaden dem Einen, aber helfen dem Anderen. Und solange es uns nicht trifft, ist es uns auch egal, woher das Geld kommt.

Gleichzeitig fährt der Film seine Antennen in Richtung Sozialkritik aus. Die Menschen in den Bars, auf dem Times Square oder zuhause, verfolgen gebannt die Geiselnahme, die live im Fernsehen ausgetrahlt wird. Unglücke als Fernsehunterhaltung sind spätestens seit dem ersten Golfkrieg 1991, den CNN praktisch live übertragen hat, Normalität geworden. Die Menschen sind schon so abgestumpft, dass es sie emotional kaum noch berührt, was sie da sehen. Kyle, der Geiselnehmer, ist aber einer von ihnen, ein Mann von der Straße, der wie viele andere Kleinanleger alles verloren hat. Er kämpft also für sie, für den kleinen Mann von der Straße, aber den scheint das nicht sonderlich zu interessieren. Kaum ist die Wahrheit ans Licht gekommen und die Live-Übertragung vorbei, wenden sich die Leute wieder ihrem alltäglichen Leben zu. Die ersten Reaktionen auf Kyles Tat in den sozialen Netzwerken sind dann auch nicht ein Aufschrei der Gerechtigkeit, sondern lustige Reaktionsvideos mit Katzen, in die eine Szene der Live-Übertragung geschnitten wurde. Das Leben geht also weiter, es ändert sich nichts und alle warten gespannt auf das nächste Live-TV-Drama. Das spiegelt sich auch am Ende des Filmes wieder, als Lee und Patty die nächste Ausgabe von „Money Monster“ planen. The show must go on.

In seinen Aussagen ist der Film also durchaus wichtig und kritisch, aber als Zuschauer bleibt man mit dem Gefühl zurück, dass es doch noch eine Spur dramatischer hätte sein können, wenn die Figuren nicht so „nett“ gewesen wären. Dennoch kann sich die vierte Spielfilm-Regiearbeit von Jodie Foster sehen lassen. Nach „Little Man Tate“, „Home For The Holidays“ und „The Beaver“ inszenierte sie ein spannendes Kammerspiel, welches den Zuschauer durchaus 99 Minuten lang fesseln kann. Clooney und Roberts glänzen in den Hauptrollen, O‘ Connell gibt den verzweifelten Geiselnehmer überzeugend und auch die Nebenrollen sind durch die Bank weg gut besetzt. „Money Monster“ kann man also mit ein paar kleinen „aber“ empfehlen.

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