Guardians of the Irrenanstalt – SUICIDE SQUAD

Quelle: kino.de

Die Comic-Welle rollt weiter. Gefühlt vergeht kein Monat mehr, ohne, dass wieder eine neue Comic-Verfilmung in die Kinos zu kommen scheint. Die Zahlen sprechen allerdings für sich, Comic-Verfilmungen sind zu einer Goldgrube für die Studios geworden. Die beiden großen Verlage Marvel und DC Comics dominieren den Markt, wobei Marvel mehr als eine Nasenlänge Vorsprung vor DC hat.

Mit den Batman-Filmen fuhr man bei Warner bisher immer sehr gut. Kommerziell war der dunkle Ritter eine Bank, was man von seinem Kollegen Superman nicht immer behaupten konnte. Um ein eigenes Film-Universum zu erschaffen, wie Marvel es getan hat, fehlte bei DC scheinbar der Mut oder der Wille. Nachdem Marvel die Comic-Welle in den letzten Jahren ins Rollen gebracht hat, springt DC nun ebenfalls auf. Vielleicht zu spät.

„Suicide Squad“ beginnt nach dem Ende von „Batman V Superman: Dawn of Justice“. Der Kampf der beiden Helden hat die Frage aufgeworfen, wer Superman stoppen könnte, wenn er sich dazu entschließen würde, sich gegen die Menschheit zu stellen. Die skrupellose Amanda Waller hat einen Plan. Sie will ein Team aus gefährlichen Verbrechern zusammenstellen, die selbst Meta-Wesen sind, um so eine Waffe im Angriffsfall zu haben. Im Arkham Asylum stellt sie das Team zusammen, welches aus Deadshot (Will Smith), Harley Quinn (Margot Robbie), Killer Croc (Adewale Akinnuoye-Agbaje), El Diablo (Jay Hernandez), Enchantress (Cara Delevingne) und Captain Boomerang (Jai Courtney) besteht. Mit Hilfe einer implantierten Sprengkapsel kontrolliert sie die einzelnen Schurken. Doch es läuft nicht alles nach Plan. Der Joker (Jared Leto) plant, seine geliebte Harley Quinn zu befreien und auch die Hexe Enchantress möchte keine Gefangene mehr sein. Sie kann entkommen und möchte aus Rache eine Maschine errichten, mit der die gesamte Menschheit ausgelöscht werden kann. Das „Suicide Squad“ muss nun gezwungenermaßen zur Tat schreiten, um die Katastrophe zu verhindern.

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Die hohe Anzahl an Charakteren im Film macht es Regisseur und Drehbuchautor David Ayer („Fury“, „End of Watch“) nicht leicht. Während man bei Marvel den Weitblick hatte und seine Figuren in den letzten zehn Jahren Schritt für Schritt in Solo-Filmen einführte (Thor, Iron-Man, Captain America), möchte DC Comics diesen Vorsprung nun scheinbar in zwei Jahren aufholen. Bereits „Batman V Superman“ krankte daran, dass man einfach viel zu viel in einen Film gepackt hat und so vieles einfach nur halbherzig und unfertig wirkte. Während Marvel ihre Helden in einzelnen Filmen auf den großen Höhepunkt in den Avengers-Filmen hinführte, bringt DC seine „Justice League“ bereits nächstes Jahr ins Kino. Daher herrscht in den Filmen ein hohes Tempo vor, was Auftauchen der Charaktere und Ereignisse betrifft. Schon alleine deshalb haben die Figuren keine Chance, sich wirklich zu entwickeln und dem Zuschauer näher zu kommen. In „Suicide Squad“ werden die Anti-Helden, die man zuvor noch nie gesehen hat, gleich zu Beginn der Reihe nach vorgestellt. Ihre jeweiligen Hintergrund-Geschichten werden im Laufe des Filmes meist in Rückblenden kurz erzählt. Hätte man sich hier mehr Zeit genommen, über den Verlauf mehrere Filme, die Charaktere hätten mehr Tiefe bekommen. Zudem konzentriert sich der Film hauptsächlich auf Deadshot und Harley Quinn, weshalb der Rest fast schon zu Statisten verkommt.

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Im Gegensatz zu Marvel, deren Filme leichter und familientauglicher sind, möchte DC seine Filme düster, ernst und brutal haben. In „Batman V Superman“ gab es bereits einen Vorgeschmack darauf. Doch die negativen Kritiken, sowie der Einbruch der Umsätze an den Kinokassen in der zweiten Woche, ließen Warner und DC kalte Füße bekommen. So wurden für den eigentlich schon fertiggestellten „Suicide Squad“ dreiwöchige Nachdrehs angeordnet, um den Film humorvoller zu machen. Der Erfolg von „Deadpool“ wirkte sich auch aus, zu sehen am Anfang, als die einzelnen Figuren per Schrifteinblendung vorgestellt werden und zu den Verbrechen noch Details wie „Schwäche für rosafarbene Einhörner“ hinzugefügt wurden. Auch „Guardians of the Galaxy“, der bisher kommerziell erfolgreichste Marvel-Film, hinterließ bei den Machern einen großen Eindruck. So tauchen wie im Vorbild viele Rock-Klassiker im Film auf, die nicht nur als Einführung der jeweiligen Figur dienen. Phasenweise übertreibt es der Film damit aber, wenn gefühlt alle 20 Sekunden ein neuer Song beginnt.

Der Score stammt von Steven Price, der einen Oscar für seine Musik zu „Gravity“ einheimsen konnte. Price ist oft nur Lückenfüller für die Zeit zwischen den Songs, erst gegen Ende hin tritt seine Musik mehr in den Vordergrund. Dabei bedient er sich eines musikalischen Themas, welches mich immer wieder an Jerry Goldsmiths „Rambo“-Thema erinnerte. Es ist keine Kopie, aber wenn die ersten Noten davon erklangen, summte ich im Kopf das Rambo-Thema weiter. Ansonsten hinterlässt die Musik keinen größeren Eindruck. Im Finale weiß sie noch einmal mit einem Bombast-Chorstück zu punkten, im Rest des Filmes kommt sie kaum über ausgetretene Blockbuster-Musik-Standards hinaus. Wie bei „Guardians of the Galaxy“ gibt es ein Soundtrack-Album mit den Songs und ein Score-Album.

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„Suicide Squad“ hat gute Ansätze. Die Figuren sind interessant, die Action ist spannend in Szene gesetzt, aber letztendlich ist es einfach zu viel auf einmal. Man wäre sicherlich besser gefahren, wenn man sich auf weniger Figuren konzentriert hätte. Insgesamt fand ich die Figuren sogar zu zahm, dafür, dass es die größten Schwerverbrecher Gothams sind. Auch die Balance zwischen Ernst und Komik stimmt nicht immer, was wohl auf die Nachdrehs zurückzuführen ist. Will Smith und Margot Robbie machen ihre Sache sehr gut. Besonders Smith versteht es, aus dem wenigen, das er bekommt, ein Profil für seine Figur zu formen. Jared Leto sieht als Joker zwar verrückt aus, aber wirklich gefährlich wirkte er für mich nicht. Da er nicht Teil des Selbstmord-Kommandos ist, taucht auch er nur am Rande auf. Der Film hätte auch ohne ihn funktioniert, aber scheinbar sollte das die Einführung des Jokers in das neue Film-Universum von DC sein.

Nach „Man of Steel“ und „Batman V Superman“ ist „Suicide Squad“ nun der dritte Film des DC-Universums, der ein wenig holprig daher kommt. Kritiker und Fans waren ebenfalls wenig begeistert vom neuesten Streich aus der DC-Werkstatt, auf einschlägigen Bewertungsportalen kommt der Film nicht gut weg. Dem Erfolg hat das aber nicht geschadet. Bisher hat „Suicide Squad“ weltweit über 675 Millionen Dollar eingespielt. Ob das aber so bleibt oder ob DC seine Filmpolitik doch überdenken sollte, wird sich wohl nächstes Jahr zeigen, wenn nicht nur Wonder Woman ihren eigenen Film bekommt, sondern auch die „Justice League“ zu ihrem ersten Einsatz aufbricht.

Wer ein Faible für die Figuren hat, sollte sich „Suicide Squad“ einmal ansehen. Die Rollen sind gut besetzt, das Setting ist angenehm düster und Spannung ist ebenfalls gegeben. Allerdings sollte man nicht zu viel Tiefe in den Charakteren erwarten oder eine originelle Handlung. Mit knapp zwei Stunden Laufzeit ist der Film auch nicht zu lang. Man hätte mehr aus dem Film machen können, so bleiben manche Ideen im Ansatz stecken. Wem „Batman V Superman“ gefallen hat, dürfte auch mit „Suicide Squad“ seine Freude haben.

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