Liebe besiegt den Krieg – WONDER WOMAN

Quelle: dccomics.com

Weibliche Comichelden haben es im Kino recht schwer gehabt. Sei es Supergirl, Catwoman oder Aeon Flux, alle konnten kommerziell nicht mit ihren männlichen Kollegen mithalten. Doch das hat sich in den letzten 15 Jahren grundlegend geändert. Dass auch eine Frau für mächtig Action sorgen kann, beweisen Filmreihen wie UNDERWORLD oder auch RESIDENT EVIL. Auch, wenn man noch nicht von einer vollständigen Gleichberechtigung sprechen kann, so hat sich in diesem Bereich in den letzten zwei Dekaden doch etwas getan. In Actionfilmen ist die Frau deshalb mittlerweile oftmals nicht einfach nur schmuckes Beiwerk oder das simple „love interest“ des Helden, sondern langt selbst kräftig hin. Natürlich gab es auch schon vorher taffe Heldinnen, man denke nur an Ripley aus den ALIEN-Filmen oder auch die Vampirjägerin Buffy, aber damals waren das eher Ausnahmen.

Die Figur der Wonder Woman nimmt dabei einen besonderen Platz ein, denn sie steht nicht nur in den Comics für Gerechtigkeit, Weisheit, Mut und Stolz, sondern wurde dadurch auch in der Popkultur zu einem Vorbild für Frauen. 1941 hatte sie ihren ersten Auftritt in einem Comic. In den 1970ern enstand eine TV-Serie mit Lynda Carter in der Hauptrolle. Diese kämpfte in drei Staffeln gegen das Böse.

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Bereits im Frühling 2011 begannen die Dreharbeiten zu einer neuen Realserie. In die Rolle der Wonder Woman schlüpfte Adrianne Palicki. Die Serie sollte im Herbst 2011 starten, wurde vom Sender NBC aber dann doch gestrichen.

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Auch im Filmbereich kamen und gingen Projekte rund um Wonder Woman. 1996 wurde ein Kinofilm geplant, den Ivan Reitman (GHOSTBUSTERS, TWINS) inszenieren sollte. Aus dem Projekt wurde aber nichts, Reitman inszenierte dennoch 2006 MY SUPER-EX-GIRLFRIEND mit Uma Thurman in der Hauptrolle, die darin eine Superheldin spielt. In den Jahren 1999 und 2001 gab es Planungen für einen Wonder-Woman-Film mit Sandra Bullock in der Hauptrolle. Auch daraus wurde nichts, sowie auch nicht aus einem 2005 angekündigten Film, bei dem Joss Whedon die Regie übernehmen sollte.

Der Erfolg der Marvel-Filme brachte natürlich viel Bewegung in Comicverfilmungen allgemein. Das zweite große Comic-Studio, DC Comics, zu dem unter anderem Superman, Batman und eben Wonder Woman gehören, verschlief aber lange Zeit diesen Trend. Während Marvel bereits mitten im Aufbau ihres „cinematic universe“ waren, war man bei DC wohl erst mal zufrieden mit den Batman-Filmen von Christopher Nolan. Aber den Vorsprung von zehn Jahren, den Marvel mittlerweile hat, versucht DC nun in wenigen Jahren aufzuholen. Das Ergebnis war bisher gemischt. DC möchte sich von Marvel dadurch abheben, dass ihre Filme ernster und düsterer sein sollen. Bereits MAN OF STEEL gab diese Richtung vor. Der eigentlich strahlende Superheld Superman ist dort ein in Selbstzweifeln versunkener Grübler, der am Ende in einem nicht enden wollenden Kampf gegen General Zod die Stadt Metropolis in Schutt und Asche legt. Kommerziell konnte der Film zwar punkten, aber die Reaktionen waren doch eher verhalten. Ähnlich erging es auch BATMAN VS SUPERMAN, während das Studio bei SUICIDE SQUAD kalte Füße bekam und den eigentlich recht düster konzipierten Film nach dem großen Erfolg der GUARDIANS OF THE GALAXY durch Neuschnitte und Nachdrehs lustiger gestalten wollte. Bereits in BATMAN VS SUPERMAN trat Gal Gadot als Wonder Woman auf und obwohl sie nur eine Nebenrolle spielt, war sie für viele Zuschauer doch das Highlight des Filmes. Im Film werden auch andere DC-Helden bereits gezeigt, die in der Zukunft ebenfalls in eigenen Filmen, beziehungsweise im Zusammentreffen aller Helden, dem JUSTICE-LEAGUE-Film, auftreten werden, wie Flash oder auch Aquaman.

Kurz nach dem Ende der Dreharbeiten zu BATMAN VS SUPERMAN ging WONDER WOMAN in Produktion. Der Film erzählt die Hintergrundgeschichte von Diana, die zu Wonder Woman werden wird. Dabei verändert der Film ein paar Details der Comicvorlage.

Auf der Paradiesinsel Themyscira, die durch einen magischen Schutzschild vor den Augen der Außenwelt verborgen ist, lebt das Volk der Amazonen. Einst von den Göttern erschaffen, um Frieden in die Welt zu bringen, leben sie nun im Verborgenen, um dem Kriegsgott Ares, der einst alle Götter, bis auf Zeus, tötete, nicht in die Hände zu fallen. Diana ist die Tochter der Königin der Amazonen, Hippolyta. Sie will eine Kämpferin werden, doch ihre Mutter verbietet es ihr, auch deshalb, weil sie Dianas wahre Bestimmung kennt. Doch Diana lässt sich im Geheimen immer wieder von Antiope, der Schwester von Hippolyta, trainieren.

Quelle: digitalspy.com

Eines Tages, Diana ist mittlerweile zu einer jungen Frau herangewachsen, beobachtet sie den Absturz eines Flugzeuges, welches den Schutzschild der Insel durchbrochen hat. Sie rettet den Piloten Steve Trevor (Chris Pine) aus dem Wasser und sieht so zum ersten Mal in ihrem Leben einen Mann. Doch Trevor wurde verfolgt. Die Welt befindet sich in den letzten Zügen des Ersten Weltkrieges (im Comic ist es der Zweite Weltkrieg) und Trevor ist ein britischer Spion, der ein Buch mit einer Formel für ein neuartiges, tödliches Gas von der Wissenschaftlerin Dr. Maru, genannt Dr. Poison, gestohlen hat. Sie arbeitet für die Deutschen unter dem Kommando von General Ludendorff. Deutsche Soldaten haben Trevor bis zur Insel verfolgt und am Strand kommt es daher zu einem Kampf zwischen den Soldaten und den Amazonen. Steve erzählt Diana vom Krieg außerhalb ihrer Insel und diese ist davon überzeugt, dass Ares, der Kriegsgott, die Menschen verführt habe. Sie macht sich mit Steve in einem Boot auf, um Ares ein für alle Mal zu vernichten. Dabei helfen soll ihr der „Gotttöter“, ein besonderes Schwert, welches sie mit sich führt.

Über das Setting des Filmes kann man geteilter Meinung sein. Der Kontrast zwischen der Paradiesinsel und den dunklen Schlachtfeldern ist natürlich hervorstechend. Der reale Hintergrund des Ersten Weltkrieges dient allerdings nur als Kulisse für die Handlung und die Schlachten an sich werden fast komplett unblutig dargestellt, obwohl Soldaten sterben. Auch General Ludendorff war eine real existierende Person. Allerdings erhebt der Film nicht den Anspruch, historisch korrekt zu sein, was mit einer Superheldin als Hauptfigur selbstverständlich ist. Freundet man sich damit also an, bekommt man einen Comicfilm serviert, der eben durch sein recht düsteres Setting so gar nicht zu anderen, poppig-bunten Vertretern des Genres passt. In dieser Beziehung verfolgt DC also weiter seine Linie, ernsthafter als Marvel zu sein. Was ihn allerdings von den bisherigen DC-Filmen ihres „cinematic universe“ unterscheidet, ist die Strahlkraft seiner Heldin. Wonder Woman vereint Kraft, Mut, Güte und Gerechtigkeit und ist dabei keine schlecht gelaunte Heldin, die ständig über ihre innere Zerissenheit grübelt. Das manifestiert sich auch in ihrem Outfit. Während die Szenerie der Schlachtfelder und halb zerstörten Häuser eher dunkel und grau daher kommt, sowie auch die Kleidung der anderen Hauptfiguren, erstrahlt sie mit ihrer blau-roten Uniform in jeder Umgebung, die sie betritt. Sie strahlt auch optisch die Hoffnung auf den Frieden aus, den sie den Menschen bringen will.

Quelle: filmstarts.de

Wie leicht hätte der Film in einen Geschlechterrollen-Kampf ausarten können. Wonder Woman, die Heldin und alle Männer nur Bösewichter oder Nebenfiguren. Diesen Fehler begeht der Film zum Glück nicht, im Gegensatz zum neuen GHOSTBUSTERS beispielsweise. Hier geht es nicht darum, wer nun das überlegene Geschlecht ist. Es geht um die Zusammenarbeit, darum, dass man es nur gemeinsam schaffen kann. Diana ist eine starke, selbstbewusste Frau, die in eine Welt kommt, in der Frauen immer noch hinter den Männern zurückstehen müssen. Das zeigt sich in Szenen wie bei den Beratungen der Offiziere über ein Friedensabkommen mit Deutschland, bei dem man empört ist, dass sich eine Frau im gleichen Raum befindet. Doch Diana wehrt sich mit ihrem Mut und ihrer Güte, bleibt dabei aber immer integer und ihren Prinzipien treu. Sie blickt also auch nicht verächtlich herab auf die Männer, die das wiederrum bei ihr tun. Dadurch hält der Film seine Balance und rutscht nicht ab in einen „Ich muss die Herrschaft der Männer beenden“-Film und auch nicht in einen „Emanzen an die Macht“-Film.

Der Film konzentriert sich recht stark auf das Duo Wonder Woman und Steve Trevor. Das trägt natürlich stark zu einer Nachvollziehbarkeit ihrer Beziehung zueinander bei, führt aber andererseits dazu, dass die anderen Charaktere eher vernachlässigt werden. So werden die Helfer, die Steve Trevor für die Mission rekrutiert, durch einen Satz charakterisiert, in dem erwähnt wird, was ihre speziellen Fähigkeiten sind. Und auch die Bösewichter werden eher stiefmütterlich behandelt. Dennoch fiebert man bis zum Ende mit den Figuren mit, weil der Film es schafft, den Unterhaltungswert konstant zu halten. Der Film ist nicht so düster wie BATMAN VS SUPERMAN und wird auch immer wieder durch humorige Einsprengsel aufgelockert, driftet dabei aber nicht in peinliche „Jeder zweite Satz soll witzig sein“-Gefilde ab.

Quelle: digitalspy.com

Gal Gadot ist natürlich der Hingucker des Filmes. Nicht nur optisch, was auch weit weniger zelebriert wird, als man es vielleicht denken könnte, sondern vor allem charismatisch. Anfangs von vielen Seiten kritisiert als vom Körperbau her zu dünn für eine Amazone und damit ein schlechtes Vorbild für junge Frauen wegen dieses zweifelhaften Schönheitsideals, hat sich Gadot durch hartes Training in die Rolle „gekämpft“. Aber vor allem mit ihrer Ausstrahlung gibt sie ein glaubwürdiges Bild einer Kämpferin für Gerechtigkeit und Freiheit ab. Ihre innere Stärke spiegelt sich in ihrem Blick wieder und auch wenn es darum geht, den Bösewichtern in den Hintern zu treten, braucht sie sich vor ihren männlichen Kollegen nicht zu verstecken.

Die Handlung an sich ist zwar nicht neu oder großartig originell, aber dennoch gelingt es dem Film durch einige kleine Haken, die der Film schlägt, den Zuschauer bei Laune zu halten. Am Ende schrammt der Film zwar arg an der Kitschgrenze entlang und auch die Lösung des Problems für Wonder Woman, dass die Liebe den Krieg besiegen kann, ist doch recht naiv, passt aber gut zum ganzen Film, bei dem eine gewisse Naivität Programm ist. Damit hebt er sich auch etwas ab vom Zynismus, der in den vorherigen DC-Filmen vorherrscht.

Für die Regie wurde Patty Jenkins verpflichtet, die 2003 mit dem Film MONSTER (mit Charlize Theron) bereits Aufsehen erregte. Dennoch ist WONDER WOMAN erst ihre zweite Spielfilm-Regiearbeit. Auch ihrer Regie ist es zu verdanken, dass der Film sich nicht vor anderen Vertretern des Genres verstecken muss. Tatsächlich sind die Actionszenen gut über den Film verteilt. Erst der Showdown wird zu einer CGI-Orgie, wie sie heute wohl einfach nicht mehr wegzudenken ist. Aber zumindest fühlt es sich durch die wohldosierte Action vorher an, als arbeite der Film gezielt auf diesen Höhepunkt hin. Der Zuschauer wird also nicht Nonstop mit krachender Action vollgedröhnt.

Patty Jenkins/Quelle: wikipedia.de

In manchen Rezensionen war zu lesen, dass Patty Jenkins, beziehungsweise eine Regisseurin, dem Film gut getan habe, weil ein Mann einen Film, in dem viele Frauen in knappen Kostümen zu sehen sind, wohl anders inszeniert hätte. Tatsächlich verzichtet Patty Jenkins auf allzu viele Close-ups oder Kamerafahrten entlang Gal Gadots Körper, ganz löst sie sich von diesem Stil aber nicht. Beispielsweise gleich am Anfang sieht man auch hier die knapp bekleideten Amazonen in Zeitlupe ihre Kampfübungen in Nahaufnahme ausführen. Das ist aber relativ harmlos im Vergleich zu anderen Beispielen und fällt in der Gesamtheit des Filmes auch nicht wirklich ins Gewicht.

Bei BATMAN VS SUPERMAN zeichneten Hans Zimmer und Junkie XL für die Musik verantwortlich. Zimmer komponierte dort auch ein Motiv für Wonder Woman, ein kurzes Riff, welches wie eine elektrische Gitarre klingt, was aber tatsächlich ein E-Cello ist, gespielt von Tina Guo.

Zu hören ist dieses Riff gleich zu Beginn des Tracks „Is she with you?“.

Tina Guo hat das Stück auch selbst noch einmal neu aufgenommen.

Nachdem Wonder Woman so ein prägendes Vorbild für Generationen von Frauen ist und mit Patty Jenkins schon eine Regisseurin verpflichtet wurde, ließ Hans Zimmer öffentlich verlauten, dass auch eine Frau die Filmmusik zu WONDER WOMAN schreiben sollte. Komponistinnen wie Anne Dudley oder auch Pinar Toprak hätten sicherlich eine passende musikalische Stimme gefunden. Letztendlich fiel die Wahl aber doch auf Rupert Gregson-Williams (HACKSAW RIDGE, THE BEE MOVIE), Bruder von Harry Gregson-Williams (KINGDOM OF HEAVEN, TOTAL RECALL) und ebenfalls ein Komponist aus dem Dunstkreis von Hans Zimmer. Besonders in der ersten Hälfte des Filmes ist die Musik überraschend orchestral ohne großen Elektronikeinsatz gehalten. Gregson-Williams komponierte auch ein neues Thema, welches öfter im Film zu hören ist. Leider verfällt die Komposition dennoch zu oft in altbewährte Hans-Zimmer-Akkorde und wirkt daher fast schon etwas angestaubt. Das ist etwas schade, denn der Film hätte durchaus einen frischeren, musikalischen Anstrich verdient gehabt. Aber wenn die Musik mal auf diese offensichtlichen, ausgetretenen Pfade verzichtet, kann sie doch mit einigen schönen Passagen glänzen.

Das ist auch ein Kontrast zur Musik Zimmers für BATMAN VS SUPERMAN, die doch wesentlich perkussiver und elektronischer daherkommt. Doch auch an diesen Gefilden kommt der Score nicht vorbei, wenn sich Wonder Woman in die ersten Kampfhandlungen stürzt und dort dann auch ihr Riff ertönt. Insgesamt machte die Musik auf mich in der ersten Hälfte des Filmes, sowie in den ruhigen Passagen mehr Eindruck, als in den Actionszenen, in denen die Musik, wie so oft, sowieso von den Soundeffekten übertönt wird.

Ein Soundtrack-Album ist bei Watertower Music erschienen, als CD, auf Vinyl und als Download.

Quelle: amazon.de

Mit WONDER WOMAN darf nun endlich auch eine Comicheldin einen Erfolg an den Kinokassen verbuchen. Bei einem Budget von 150 Millionen Dollar hat der Film bisher weltweit über 650 Millionen Dollar eingespielt. Eine Fortsetzung wurde bereits angekündigt. Ob aber wieder Patty Jenkins die Regie übernehmen wird, ist noch nicht geklärt, da sie nur für einen Film unterschrieben hat. WONDER WOMAN ist ein Statement für starke, unabhängige Frauen, sowie für den Zusammenhalt zwischen den Geschlechtern. Und es ist der bisher beste Film des DC-Cinematic-Universe. Also, kreuzt die Arme, schwingt das Lasso und macht euch auf ins Kino zu WONDER WOMAN.

 

 

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2 Gedanken zu „Liebe besiegt den Krieg – WONDER WOMAN“

  1. Schöne Kritik, Alex, die meine eigene Meinung zum Film ziemlich gut wiederspiegelt. Musikalisch hätte ich dem Film ebenfalls besseres gewünscht (auch wenn ich mir den Score mittlerweile nach und nach „schönhöre“) – Pinar Toprak wäre allerdings tatsächlich eine höchst interessante Möglichkeit gewesen!
    Nun, es ist so wie’s ist, und auch der Film selbst ist ja schließlich nicht makellos (der 3. Akt), doch – er hat das Herz am richtigen Fleck, sowie die Geheimwaffe Gal Gadot: denn sie IST Wonder Woman!!

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    1. Vielen Dank, Helmut. 🙂

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