„Lass die Vergangenheit sterben!“ – STAR WARS: THE LAST JEDI

Quelle: starwars.com

THE FORCE AWAKENS, die siebte Episode der STAR-WARS-Saga, war Ende 2015 ein riesiger Erfolg. Über zwei Milliarden Dollar spielte der Film weltweit ein und war damit ein gelungener Auftakt für den neuen Eigentümer von Lucasfilm: Disney. Für vier Milliarden Dollar hatte der Konzern mit der Maus Lucasfilm aufgekauft und diese Investition muss sich natürlich rechnen. So wurde recht flott ein bereits mehrere Jahre umfassender Plan entworfen, wie das Star-Wars-Universum weiter wachsen sollte. Neben einer neuen Trilogie, die mit THE FORCE AWAKENS begann, soll es nun im Jahreswechsel einen weiteren Film aus dem Franchise geben, sodass nun jedes Jahr ein STAR-WARS-Film in die Kinos kommen wird. ROGUE ONE: A STAR WARS STORY war 2016 dann der erste Film außerhalb der Episoden-Folge, welchem 2018 ein Han-Solo-Film folgen wird.

Trotz des massiven Erfolgs wurde THE FORCE AWAKENS scharf kritisiert. Regisseur J. J. Abrams, der schon STAR TREK mit seinem 2009er Reboot neues Leben einhauchte, sah sich dem Vorwurf ausgesetzt, statt eines wirklich neuen Filmes nur ein sogenanntes „soft reboot“ gemacht zu haben. Der Film hangelt sich an Story-Elementen und Figuren der alten Filme entlang und erzählt damit im Grunde die gleiche Geschichte wie schon Episode IV. So sahen viele den Film zum reinen Fan-Service verkommen, aber dem Erfolg hat das nicht geschadet.

Für Episode VIII, THE LAST JEDI, durfte der relativ unbekannte Rian Johnson auf dem Regiestuhl Platz nehmen, der auch gleich das Drehbuch schrieb. Johnson konnte zuletzt mit dem Sci-Fi-Thriller LOOPER einen Achtungserfolg erzielen, mehr empfehlen kann ich allerdings seinen Film BRICK, einer Art Film Noir mit Jugendlichen.

Am Ende von THE FORCE AWAKENS konnte die Starkiller-Basis der Ersten Ordnung den Rebellen schwere Verluste zufügen, aber dennoch gelang vielen von ihnen die Flucht zur letzten Rebellen-Basis. Zur gleichen Zeit hat Rey den lange verschwundenen Jedi-Meister Luke Skywalker gefunden, dem sie sein Lichtschwert übergeben möchte. Mit diesem ikonischen Bild endet Episode VII, doch THE LAST JEDI setzt nicht direkt daran an.

Quelle: newsweek.com

Die Flotte der Ersten Ordnung hat die Rebellen ausfindig gemacht und während diese verzweifelt versuchen, den Stützpunkt zu evakuieren, kommt es zu einer Raumschlacht mit der Flotte des dunklen Snoke. Poe Dameron führt die Flotte der Rebellen an und es gelingt ihnen tatsächlich, den feindlichen General Hux zu überlisten. Dadurch kann die Flotte der Rebellen entkommen. Doch der Preis dafür ist hoch, die Rebellen haben bei der Schlacht viele Schiffe verloren.

Rey übergibt Luke sein altes Lichtschwert, doch dieser wirft es achtlos weg, da er kein Interesse daran hat, Rey zu trainieren. Seiner Meinung nach müsse die Zeit der Jedi ein Ende haben. Durch die Macht kann Rey Verbindung zu Kylo Ren aufnehmen, der sich als ehemaliger Schüler Luke Skywalkers entpuppt. Und er ist auch der Grund, warum Luke die Zeit der Jedi beendet sehen will. Niemand sollte diese große Macht mehr beherrschen können.

Die Flotte der Rebellen ist zwar durch den Hyperraum entkommen, doch der Frieden währt nur kurz. Die Erste Ordnung kann die Schiffe der Rebellen sogar im Hyperraum orten, was eine erneuten Sprung in den Raum sinnlos macht. Also versuchen die Rebellen, den Abstand zur Flotte der Sternzerstörer so groß wie möglich zu halten, damit deren Gefechtstürme die Schiffe der Rebellen nicht mehr erreichen. Doch den Rebellen geht langsam aber sicher der Treibstoff aus und so machen sich Finn und Rose, eine Wartungsarbeiterin, auf den Weg, um einen Codeknacker zu finden, mit dessen Hilfe sie an Bord des feindlichen Schlachtschiffs „Supremacy“ das Ortungsgerät deaktivieren wollen, damit die Flotte entkommen kann.

Quelle: slashfilm.com

Schon der kurze Abriß der Geschichte zeigt, dass viele Handlungsfäden parallel laufen. Es gibt die Gruppe der Rebellen, die sich vor der Flotte der Ersten Ordnung in Sicherheit bringen will, die Mission von Finn und Rose, sowie die Szenen mit Rey und Luke. Dennoch tritt der Film in seinen zweieinhalb Stunden Laufzeit auf der Stelle. Diese drei Handlungsstränge ziehen sich teilweise ewig hin und was am Ende dabei rauskommt, hätte man auch in einer Stunde erzählen können. Der Film gleicht das aus durch große Schwauwerte und krachende Action. Die erste Hälfte des Filmes hatte für mich eine eigenartige Gewichtung. Den dramatischen Szenen wurden immer wieder Szenen voller plattem Slapstick-Humor entgegengesetzt, während man auf der Insel, auf die sich Luke zurückgezogen hat, in fast jeder Szene neue Kreaturen zu Gesicht bekommt, die ebenfalls nur dazu da sind, um lustige Sachen mit ihnen zu machen. In der zweiten Hälfte zieht der Film dann an, der Humor wird gemäßigter und die Dramatik steigt.

THE FORCE AWAKENS fand ich so lala, da mir der Film zu sehr auf der Nostalgiewelle ritt und zu wenig wirklich Neues zu bieten hatte. Außerdem kam der Tod einer der Hauptfiguren für mich wie aus dem Nichts, da vorher kaum ein dramaturgischer Aufbau stattfindet, der die Ereignisse dort hinlenkt. Von daher verpuffte dieser Moment für mich auch völlig. Auch in THE LAST JEDI gibt es ein paar Wandlungen von Figuren und Ereignisse, die recht plötzlich sind und so den Eindruck erwecken, als hätte man sie schnell abarbeiten müssen. Dennoch mag ich THE LAST JEDI mehr als THE FORCE AWAKENS. Der Film ist das, was STAR WARS im Grunde immer war, ein großes B-Movie. Doch auch THE LAST JEDI wirkt wie ein Konglomerat der alten Trilogie.

Achtung, Spoiler!

Der Film bedient sich nicht nur bekannter Dialoge aus den alten Filmen, auch die Handlung erinnert stark an EMPIRE STRIKES BACK und vor allem RETURN OF THE JEDI. War es dort noch Luke, der das Gute in seinem Vater Darth Vader sah und ihn bekehren wollte, ist es hier nun Rey, die das Gute in Kylo Ren sieht und ihn zur guten Seite zurückholen will. Und wie Luke muss sich Rey dem Oberbösewicht stellen, in diesem Fall Snoke, der auch einige Dialog-Zeilen des Imperators aus RETURN OF THE JEDI parat hat. Auch die folgenden Ereignisse, Kylo Ren stellt sich gegen Snoke und tötet ihn, spiegeln den Verlauf von EPISODE VI wider. Der Showdown auf dem Salzplaneten erinnert dann frappierend an EMPIRE STRIKES BACK und an die Schlacht auf Hoth, inklusive AT-AT-Walkern und Schützengräben. 

Viele Figuren wirken verschenkt in THE LAST JEDI. Der Cameo-Auftritt von Yoda ist nicht mehr als reiner Fan-Service, der Kampf zwischen Finn und Captain Phasma nach zwei Minuten vorbei und der von Benicio del Toro gespielte Codeknacker im Endeffekt recht überflüssig. Nimmt man dann noch den Tod von Snoke dazu, so hat sich der Film auf recht unspekatkuläre Weise all der Bösewichter entledigt, die in THE FORCE AWAKENS so groß eingeführt wurden. Laura Derns Figur, Admiral Holdo, wird zu einer Antagonistin für Poe aufgebaut, um dann nach ein paar Minuten Screentime den Heldentod zu sterben. Und auch bei der wohl am meisten diskutierten Szene, Leia im Weltraum, weiss man nicht genau, ob das nun dramatisch sein sollte, weil man die Kraft der Macht und Leias Überlebenswille sah oder ob es einfach nur doof war. STAR WARS ist ein Märchen, da sollte man keine wissenschaftlichen Fakten erwarten, aber innerhalb des Film-Universums sollten diese Sachen dann doch noch Sinn ergeben. 

Augenzwinkernd sind die Szenen im Casino, in dem Finn und Rose den Codeknacker suchen. Mit einer Art Variation seiner Cantina-Band-Musik aus Episode IV sorgt auch Komponist John Williams dafür, dass das pompös wirkende Casino das Gegenstück zur dunklen Spelunke auf Mos Eisley darstellt. Als Vorbild diente hier unverkennbar Luc Bessons THE FIFTH ELEMENT, was dann auch mit einem kurzen Schnitt auf ein Oper singendes Alien unterstützt wird.

Auch die Erste Ordnung ist eigentlich eine Ansammlung von Witzfiguren. Man fragt sich unweigerlich, wie diese Leute so mächtig werden konnten. Snoke lässt sich leicht überlisten, Kylo Ren schmollt wie ein ständig beleidigtes Kind und General Hux trägt auch jeden noch so doofen Dialog mit chargierendem Over-Acting vor. Selbst die Figuren im Film machen sich lustig über sie, wie kann man die Erste Ordnung also tatsächlich als Gefahr sehen? Das war allerdings auch in THE FORCE AWAKENS schon so. Kylo Rens erster Auftritt wird von Poe gleich lächerlich gemacht und das zieht sich dann nicht nur durch Episode VII, sondern setzt sich auch in THE LAST JEDI fort. 

Der Tod von Luke am Ende bleibt ebenfalls ein Mysterium. An was ist er denn gestorben? Altersschwäche? Verausgabung? Vielleicht gibt die nächste Episode darauf eine Antwort. 

Spoiler Ende.

Für die Musik war wieder John Williams zuständig, der das STAR-WARS-Universum von Anfang an begleitet. So erklingen im Film viele Themen aus den alten Filmen, sowie ein neues Thema für Rose. Es sind dann auch die thematischen Momente, die den Zuschauer aufhorchen lassen. Während der Actionszenen gibt es vereinzelt ein paar nette musikalische Momente, aber insgesamt bleibt seine Musik für mich ebenso blass wie schon zu THE FORCE AWAKENS. Gut, nach 40 Jahren und acht Filmen darf einem Komponisten auch schon mal die Puste ausgehen. Ein Album mit der Musik ist bereits erschienen, digital und als CD. Eine Vinyl-Ausgabe wird sicherlich noch folgen.

Quelle: amazon.de

Trotz all der Kritikpunkte ist THE LAST JEDI ein unterhaltsamer Film, der das Franchise tatsächlich wegführt von seiner pseudo-philosophischen Seite und wieder ein leicht verdauliches B-Movie ist, mit seichten Dialogen und vielen bunten Kreaturen. Doch das sehen vor allem hartgesottene Fans ganz anders. Die Verwegensten unter ihnen haben mittlerweile sogar eine Petition gestartet, die Disney dazu bewegen soll, THE LAST JEDI aus dem offiziellen Kanon der Reihe zu streichen. Dem Erfolg tut das aber keinen Abbruch. Bisher hat THE LAST JEDI weltweit nach nicht mal einer Woche bereits über 530 Millionen Dollar eingespielt.

Die dunkle Seite wirft ihre Schatten allerdings auf die Geschäftspraktiken des Disney-Konzerns. Nicht nur, dass Disney prozentual einen höheren Anteil an den Einnahmen von den Kinobetreibern fordert (etwas, das allerdings 20th Century Fox bereits 1999 bei Episode I getan hat), sie bestehen auch darauf, dass die Kinos den Film für mindestens einen Monat exklusiv in ihrem größten Saal zeigen. Das ist natürlich ein großer Nachteil für kleinere Kinos, die vielleicht nur einen Saal haben und natürlich auch für andere Filme, denen so Einnahmen verloren gehen. Bereits 2015 bei FORCE AWAKENS ging Disney so vor und spielte seine Macht dann sogar gegenüber Quentin Tarantino aus. Dessen Film THE HATEFUL EIGHT sollte in Los Angeles, im Cinerama Dome, Premiere feiern, da man dort eben auch einen 70mm-Projektor hat und der Film in diesem Format gedreht wurde. FORCE AWAKENS sollte zwei Wochen vorher laufen in dem Saal. Alles war abgesprochen, die Verträge waren gemacht und dann kam Disney daher und meinte, sie möchten FORCE AWAKENS gerne über die gesamte „holiday season“ über Weihnachten in dem großen Saal haben. Als die Kinobetreiber dann meinten, dass das nicht geht, weil man bereits einen Vertrag mit THE HATEFUL EIGHT hat, konterte Disney. Sie erpressten die Betreiber regelrecht, indem sie sagten, dass in diesem Fall, wenn sie den Film nicht für den ganzen Monat im großen Saal zeigen, dürften sie den Film überhaupt nicht zeigen und auch kein anderes Kino ihrer Kette. Nicht gerade die Praktiken eines „Familienkonzerns“.

Für Episode IX, die 2019 dann die neue Trilogie abschliessen wird, saß einige Zeit Colin Tervorrow (JURASSIC WORLD) im Regiestuhl. Doch nach den berühmten „künstlerischen Differenzen“ mit den Produzenten wird nun wieder J.J. Abrams das Zepter in die Hand nehmen und die Trilogie abschliessen, die er begonnen hat. Rian Johnson hingegen wurde bereits mit der Entwicklung einer weiteren Trilogie beauftragt.

„Lass die Vergangenheit sterben!“ sagt Kylo Ren mehrmals zu Rey. Der Film selbst nimmt sich das zwar nicht zu Herzen, über weite Strecken lebt er von der Vergangenheit, sprich, den alten Filmen, aber er präsentiert das mit einer fast schon kindlichen Leichtigkeit, die STAR WARS wesentlich besser zu Gesicht steht, als der durchkalkulierte Fan-Service von THE FORCE AWAKENS.

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