And it’s only love with a little bit of rain – Nick Cave’s CARNAGE

Quelle: drownedinsound.com

Das musikalische Schaffen Nick Caves durchlief im Laufe seiner Karriere einige Phasen. Aus den 70ern und dem Punk kommend gründete er Anfang der 80er die Bad Seeds, bei denen auch Blixa Bargeld von „Einstürzende Neubauten“ dafür sorgte, dass Caves mal singend, mal kreischend vorgetragenen, düsteren Geschichten den entsprechenden, entrückten Rahmen bekamen.

Ende der 80er hatte Cave sich dann bereits zum veritablen Songschreiber entwickelt, der weniger an zerstörten Strukturen und mehr an seinen Geschichten hing. Mit der Musikerin PJ Harvey verband Cave eine große Liebe und als diese zerbrach, führte das auch musikalisch zu einem Einschnitt. „The Boatman’s Call“ hieß 1997 das Album, welches Cave als liebeskranke und verletze Seele zeigte. Das war der Beginn der von manchen etwas abschätzig genannten „Schubidu“-Phase Caves, bei der die Songs größtenteils aus langsamen, getragenen Balladen bestand. Infolge dessen gab es auch für seine Band, die Bad Seeds, weniger und weniger zu tun.

Ungefähr zur selben Zeit stieß Warren Ellis zur Band und rückblickend betrachtet war das der Anfang vom Ende der alten Bad Seeds. Es gab danach noch mal ein kurzes Aufbäumen mit dem Album „Dig Lazarus Dig„ und Caves Nebenprojekt „Grinderman“, aber die alten Strukturen befanden sich bereits in der Auflösung. So verliessen mit Blixa Bargeld und Mick Harvey zwei Säulen der Bad Seeds die Band. Gleichzeitig wurden Cave und Warren Ellis zu einer Einheit.

Sie komponierten in den letzten Jahren zusammen nicht nur einige Filmmusiken, sondern auch fast alle Titel auf den Bad-Seeds-Alben. Schon auf „Push the sky away“ ist der Einfluss von Ellis recht dominant, was sich in den teils minimalistischen Melodien und Arrangements bemerkbar macht.

Während der Aufnahmen zum nächsten Album, „Skeleton Tree“, kam es zur Tragödie. Caves 15-jähriger Sohn Arthur stürzte in Brighton, dem Wohnort der Familie, von den Klippen in den Tod. Die Verarbeitung der Trauer wird dann sehr deutlich im Nachfolgealbum „Ghosteen“. Hier kann man teilweise kaum noch von Songs im eigentlichen Sinne sprechen, es sind Klangmalereien, über die Cave seine Gefühle preisgibt. Die Bad Seeds stehen scheinbar nur noch proforma auf dem Cover, viel zu tun haben sie auf dem Album nicht. Cave, der bis in die 2000er Jahre noch heroinabhängig war und diese manisch-zerstörerische Seite auch in seinen Songs auslebte, schien nun komplett in seinem „neuen“ Leben angekommen zu sein.

Als nun bekannt wurde, dass Cave und Ellis ein neues Nebenprojekt gegründet haben, sah man hier und da verwunderte Gesichter. Waren doch die Bad Seeds in den letzten Jahren zum Projekt von Cave und Ellis geworden, was sollte also ein Nebenprojekt musikalisch anderes bringen? Nach dem Hören des neuen Albums „Carnage“ kann man sagen: nicht viel. Aber gleichzeitig tritt doch Ungewöhnliches zutage, wie der Song „Hand of God“. Und doch ist es der Titeltrack, den ich in den letzten Tagen oft gehört habe. Ausgerechnet dieser ist ein Paradebeispiel für die Cave/Ellis-Musik der letzten Jahre und könnte auch problemlos auf den letzten beiden Bad-Seeds-Alben gewesen sein. Doch da ist dennoch etwas, die Melodie, der Frauenchor, Caves Text, das mich gespannt zuhören lassen, auch wenn ich den Song gefühlt schon von anderen Alben kenne. Möge das Gemetzel beginnen.

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